Kreativtherapie mit und ohne Malen

1. Das Geführte Zeichnen

Dieser Ansatz der sensimotorischen Kunsttherapie ist keine Gesprächstherapie. Er ist vielmehr eine Form der aktiven Meditation nach Dr. Maria Hippius Gräfin Dürckheim und weiterentwickelt von Cornelia Elbrecht, bei der man mit geschlossenen Augen und mit beiden Händen malt [1,2]. So werden die zwei Gehirnhälften gleichzeitig stimuliert und auch synchronisiert. Wir übersetzen innere seelische Bewegungen in gemalte Bilder und lernen so, den Energiefluss  (die Aufmerksamkeit) an die blockierten Stellen zu lenken. Durch den bewussten Wechsel zwischen angenehmen und unangenehmen Gefühlen können Blockaden / Traumata nach und nach aufgelöst werden. Der Fokus liegt dabei nicht auf "Was ist passiert?", sondern auf "Was brauche ich jetzt, um die Spannung häppchenweise zu verarbeiten ohne von Emotionen überflutet zu werden?"

Eine wichtige  Rolle spielt dabei das Körpergedächtnis als Speicherort für unbewusste traumatische Erlebnisse (implizites oder somatisches Gedächtnis). Durch den sensimotorischen Ansatz sollen auch solche Erinnerungen erreicht werden, die nicht bewusst abgespeichert wurden im erinnerbaren, expliziten Gedächtnis wie zum Beispiel sehr frühe Erfahrungen im Mutterleib und in den ersten Lebensjahren.

Wie muss man sich das nun vorstellen?

Wir beginnen immer damit, uns bewusst in unserem Körper niederzulassen. Wir lassen uns tief ins Becken sinken, da wir uns als Schutzmechanismus im Alltagsbewusstsein zumeist nicht vollständig im Körper befinden. Je bewusster wir im Körper sind, desto mehr können wir spüren und desto besser können wir registrieren, wo sich unser Körper blockiert anfühlt. Diese Stellen machen wir ausfindig, denn dort liegen Energieblockaden, die ein völliges Im-Körper-sein verhindern, dort sind traumatische Emotionen abgespeichert. Diese Bereiche fühlen sich oft besonders verspannt, kalt, warm, taub oder irgendwie anders an. 

Im nächsten Schritt wenden wir uns einer dieser Blockaden zu oder wir arbeiten gezielt mit einer ausgewählen Körperregion (im Beckenbereich sitzen zum Beispiel viele implizite Erinnerungen an die ersten Lebensjahre). Die zu bearbeitende Körperregion wird zunächst neugierig wahr genommen, auf Papier gezeichnet und ohne Urteil betrachtet. Dann überlegt man sich, was könnte dieser Stelle jetzt gerade gut tun? Welche Farbe und welche Bewegung, welcher Rhythmus könnte in einer liebevollen, beidhändigen Massage eine positive Veränderung bewirken? Und das kann jeder für sich nun intuitiv ausprobieren und erforschen bis man merkt, was sich stimmig anfühlt. Durch diese liebevolle Zuwendung werden die abgespeicherten Emotionen frei gesetzt und dürfen nun endlich gefühlt werden. Du selbst entscheidest dabei, in welchem Tempo du voran schreitest. Wenn du das Gefühl hast, es wird dir gerade etwas zu viel, dann pendelst du mit deiner Aufmerksamkeit an eine andere Körperstelle, die sich ausschließlich positiv anfühlt und machst dort Pause. Natürlich kannst du den Prozess auch jederzeit völlig unterbrechen, wenn dir danach ist, aber gerade dieses Pendeln und die Aufteilung in verdaubare Häppchen fördert die Selbstregulation und den natürlichen Umgang mit unangenehmen Emotionen.

 

2. Bearbeitung der inneren Bilder ohne Malen

Um die Ursache einer Symptomatik zu ergründen, wird das Symptom über die im Körper gespeicherte Reiz-Reaktions-Kette zurück verfolgt. Das heißt, Situationen und/oder Personen, die damit in Verbindung stehen, können als Bilder vor dem inneren Auge wahr genommen werden. Dazu ist ebenfalls ein meditativer Trancezustand hilfreich, der einfach dadurch erreicht wird, dass man die Aufmerksamkeit nach innen lenkt und entspannt. Alleine durch dieses Nachinnenwenden der Wahrnehmung werden unbewusste Inhalte zugänglich, Emotionen viel schneller verarbeitet und Veränderungen effektiver abgespeichert. Oft können so schon in der ersten Sitzung ursächliche Zusammenhänge gefunden und grundlegend bearbeitet werden.

Indem man den alten belastenden Situationen auf seiner inneren Bühne nun als erwachsene und autonome Person begegnet, verändert sich ihre Wirkung auf die Psyche. Diese Vorgehensweise korrigiert die kindliche Sichtweise auf bedrohliche Erinnerungen in ein erwachsenes Selbst- und Weltbild.  
 

 

 

(1)  Cornelia Elbrecht (2011): Die Wandlungsreise, Der Prozess des Geführten Zeichnens - eine initiatische Kunsttherapie, Johanna Nordländer Verlag, Rütte.

(2) Cornelia Elbrecht (2018): Healing trauma with guided drawing - A sensimotor art therapy approach to bilateral body mapping, North atlantic books, Berkeley, California.

©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.